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Xylophon
1. Stabspiele
Die Gruppe der verschiedenen Stabspiele (Glockenspiel, Xylophon, Metallophon, Vibraphon, Marimbaphon, ...) wurde erst relativ spät in unseren Kulturraum eingeführt. Vor allem Carl Orff machte sie durch den Einsatz im Bereich der Schul- und Jugendmusik in den 20-er und 30-er Jahren dieses Jahrhunderts bekannt. Der Vorteil von Stabspielen gegenüber anderen Musikinstrumenten liegt in ihrer universellen Einsetzbarkeit begründet. Auch ohne über besondere spieltechnische Fertigkeiten zu verfügen, können Kinder Melodien, Harmonien und rhythmische Muster spielen und Geschichten musikalisch begleiten. Durch Kombination von verschiedenen Stabspielen mit ihren unterschiedlichen Klangfarben lassen sich reizvolle Musikstücke gestalten. Im Klassik- und Jazzmusikbereich werden Stabspiele auch den höheren musikalischen Anforderungen gerecht. 2. Herkunft und Geschichte des Xylophons Der Name Xylophon leitet sich aus dem griechischen Wort „Xylo” für „Holz“ und „Phon“ für „Ton“ ab. Damit wird das Material der Klangstäbe benannt (so z.B. im Unterschied zu den Metallklangstäben der Glockenspiele, Vibraphone und Metallophone). Einfachere Vorstufen des bei uns gebräuchlichen Xylophons sind aus Afrika, Ozeanien, Mittel- und Südamerika bekannt. Aus Afrika stammen höher entwickelte Instrumente mit Kalebassenfrüchten als Resonanzkörper unter jedem Klangstab. Seit dem 15. Jahrhundert sind xylophonähnliche Instrumente unter verschiedenen Namen wie z.B. „Hölzernes Gelächter“ und „Strohfidel“ bekannt. Vom frühen 19. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts war das Xylophon ein Varieté-Instrument. Seit Ende des 19. Jahrhunderts findet das Xylophon auch in der Kunstmusik Verwendung und wurde durch Carl Orff in die Schul- und Jugendmusik eingeführt. 3. Das Xylophon als Einstiegsinstrument Das Xylophon ist besonders für Kinder ein attraktives Instrument, da es durch die fertig gestimmten Töne und die kurze Klangdauer rasche Erfolgserlebnisse begünstigt. Denn auch ohne Kenntnisse spezieller Techniken kann es schon nach kurzer Zeit vielseitig genutzt werden. Die häufig bei anderen Instrumenten auftretenden Startschwierigkeiten entfallen beim Xylophon; denn auch bei noch geringen spieltechnischen Fertigkeiten entstehen keine Tonverzerrungen (wie z.B. Quietschen oder Klirren), und durch das kurze Klingen der Holzstäbe wird eine langanhaltende Dissonanzbildung vermieden. Kaum ein anderes Instrument eignet sich dadurch so gut zur elementaren, klangmalerischen Umsetzung von Geschichten wie das Xylophon. Der enorme Tonumfang vom Bass bis Sopran-Xylophon bietet zudem viele klangliche und musikalische Möglichkeiten und die Kinder lernen die Tonhöhe über Hören, Sehen und Fühlen genauer kennen. Auch später kann jederzeit wieder auf das Xylophon zurückgegriffen werden, da im Gegensatz zu anderen Instrumenten kein schwieriger Ansatz bzw. keine komplizierte Technik (Finger, Zunge, e.t.c.) erforderlich ist. 4. Entwicklungspsychologische Aspekte Da die Kinder auf dem Xylophon verschiedene Formen von Stimmungen (Wut, Trauer, Freude, etc.) ausdrücken und ausleben können, ist es ein Instrument von hoher pädagogischer Bedeutung und besonders auch für lebhafte und motorisch aktive Kinder geeignet. Beim Spielen auf dem Xylophon wird die Motorik der rechten und linken Hand in gleichem Maße gefördert, ebenso die Koordination der beiden Hände miteinander. Durch zusätzliche Bewegungsspiele im Unterricht wird dieses Zusammenspiel auch auf den gesamten Körper übertragen. Das Xylophon ist zugleich Rhythmus-, Harmonie-, und Melodieinstrument. Als Perkussionsinstrument fördert es besonders den Umgang und die Sicherheit mit verschiedenen Rhythmen (z.B. durch ostinate Begleitungen, rhythmische Begleitungen oder Kombinationen von Xylophon und Sprache). Das harmonische Empfinden des Kindes wird durch die ostinaten und später harmonischen Begleitungen geschult. Die Melodiestimme kann durch den Einsatz von Holzschlegeln oder anderen Stabspielen hervorgehoben werden. Das Xylophon eignet sich hervorragend für den Unterricht im Vorschulalter, weil die unterschiedlichen Entwicklungsstufen der Kinder im gemeinsamen Spiel integriert werden können. Grundlagen des Xylophonunterrichts 1. Zielgruppe und Eignung Die Xylophonschule „Xylo`s Freunde“ ist für Kinder konzipiert, die im Vorschulalter mit Xylophon beginnen wollen. Sie ist an Kinder gerichtet, bei denen die notwendige geistige Reife für den Instrumentalunterricht bereits vorhanden, die feinmotorische Entwicklung aber noch nicht differenziert genug ist (wie z.B. für die Blockflöte). Sie ist auch für bewegungsfreudige Kinder empfehlenswert, weil sie spielerisch an die Anforderungen des Instrumentalspiels herangeführt werden. 2. Einbindung von Grundlagen der Musikalischen Früherziehung Der hier aufgezeigte Xylophonunterricht integriert zu Beginn verschiedene pädagogische Grundlagen der Musikalischen Früherziehung. So werden zur Unterrichtsgestaltung außer dem Xylophon auch andere Instrumente herangezogen und Elemente wie Singen, Malen, Basteln und Bewegungsspiele in den Unterricht integriert. Die Inhalte der Musikalischen Früherziehung werden aufgegriffen und weiterentwickelt. Erst wenn die musikalischen und technischen Grundlagen vorhanden sind, beginnt der Einstieg in die Notation. So erhalten auch Xylophonschüler, die vorher keine Musikalische Früherziehung genossen haben, die Möglichkeit, die musikalischen Parameter spielerisch kennen zu lernen. 3. Schulung der Sinneswahrnehmung Die Arbeit mit den Kindern findet in verschiedenen Bereichen der Wahrnehmung statt: · Auf der visuellen Ebene werden Bilder und Farben auf dem Xylophon klangmalerisch hörbar gemacht. Die Spielweise wird mit Symbolen dargestellt.
· Im akustischen Bereich wird die Aufmerksamkeit derKinder auf
das Lauschen von Klangfarben, Tonhöhen, Dynamik
und Harmonien gelenkt.
· Auf der emotionalen Ebene werden die Kinder im Laufe der
Rahmengeschichte von Lina und Rex begleitet und hierbei mit
verschiedenen Stimmungen konfrontiert.Dabei werden sie aufgefordert, Gefühle und Situationen auf dem Xylophon auszudrücken. · Auf der taktilen Ebene nehmen die Kinder Größe, Oberflächenstruktur und Schwingungen des Klangmaterials wahr und stellen es in Zusammenhang zur Klangwelt. Die Verbindung der einzelnen Ebenen schafft somit die Möglichkeit, dass die Lerninhalte auf verschiedene Weise begreiflich gemacht werden können. So kann jedes Kind seine eigenen Wege finden, die Lerninhalte zu erfassen und musikalisch umzusetzen. 4. Gemeinsames Musizieren Im Unterricht wird auf ein harmonisches Gruppengefüge geachtet. Die Kinder sollen erlernen, sich gegenseitig Respekt und Aufmerksamkeit entgegenzubringen. Dies bewirkt ein sensibleres Reagieren auf die Bedürfnisse der anderen Gruppenmitglieder. Sind die elementaren Regeln in einer Gruppe verankert, so erweitert sich der Rahmen des freien, kreativen Musizierens. Die Anregungen durch die anderen Gruppenmitglieder erweitern das individuelle Spektrum des einzelnen Musikers. So bildet ein ausgewogenes Wechselspiel zwischen „führen” und „geführt werden” die Grundlage für ein harmonisches Musizieren. 5. Singen als wichtiger Bestandteil des Unterrichts Das Singen wird bewusst als methodisches Mittel eingesetzt. Zu Beginn der Xylophonschule werden Singen und Xylophonspiel getrennt, da die Kinder auf unbestimmten Tonhöhen spielen. Die Stimme wird hierbei als rhythmisches oder beschreibendes Element eingebracht. Unabhängig vom Xylophonspiel werden Lieder themenbezogen hinzugenommen. Begrüßungs- und Abschiedslieder sind dabei fester Bestandteil der jeweiligen Unterrichts-stunde. Die Stimme wird von Anfang an in allen musikalischen Parametern erarbeitet: Tempo, Dynamik, Tonhöhe und Agogik (Ausdruck). Das Übernehmen des Tones vom Xylophon mit der Stimme ist eine unverzichtbare Übung als Vorbereitung zur ostinaten Liedbegleitung. Stimmbildnerische Übungen fließen in jede Stunde mit ein. 6. Charakteristische Eigenschaften verschiedener Stabspiele Der Einsatz verschiedenartiger Stabspiele im Unterricht bietet reizvolle Möglichkeiten musikalischer Gestaltung. Das erweiterte Klangrepertoire schafft neue Ausdrucks-möglichkeiten bei der Untermalung der Geschichten und regt so die Phantasie und Kreativität der Kinder an. Das Übertragen der Spielfertigkeit vom Xylophon auf andere Stabspiele ist in der Regel kein Problem. Lediglich beim Glockenspiel und den Röhren muss darauf geachtet werden, dass der Spieler bereits den erschwerten motorischen Anforderungen dieser Instrumente gewachsen ist. Gespräche über die Materialien und die Größe der Stäbe und deren Auswirkungen auf Klangfarbe und Tonhöhe sollen ein bewusstes Auseinandersetzen mit Klängen bewirken und die Neugier der Kinder wecken. Es sollte versucht werden, einige Kinder zu motivieren, eigene Stabspiele zu bauen. Nach dem Vorbild des Xylophons können die Kinder auch ein Glasophon, Astphon, Kachelphon, Nagelphon, Wasserphon, Schraubenschlüsselphon, Blumentopfphon, Flaschenphon, Löffelphon, Steinphon, Kistenphon, Nussphon, u.s.w. basteln.
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